Wieso wir junge Menschen der Generation Z so häufig missverstanden werden



Unangenehm wird es immer dann, wenn sich Dinge ändern. Mit den GenZlern betritt eine Generation die Bühne, die in ihrer Freizeit ganz gerne digitale Endgeräte überstrapaziert, kein Bock mehr auf Karriere hat (was ist das überhaupt – Karriere?!) und generell den Bausparvertrag mit der Muttermilch aufgesogen hat - den braucht man also auch nicht mehr.

Die geliebte deutsche Arbeitsmoral wird von der Yoga-Matte und der 4-Tages Woche (selbstverständlich bei gleichbleibendem Gehalt) vor die Tür gesetzt. Die „Siesta“ avanciert vom Schimpfwort zum Sinnbild der woken Work-Life-Balance.

Da kann man sich bei all der freien Zeit fast die Frage stellen: Arbeiten diese GenZler überhaupt noch, oder wollen die nur „spielen“?

Die GenZ wird – zwischen Fachkräftemangel und TikTok-Fatigue – zur sorgenvollen Hoffnungsfigur einer ganzen Unternehmerschaft, die doch nicht so richtig weiß, wer diese ominöse Generation nun eigentlich sein soll (auch hier regiert ein Konjunktiv der Möglichkeiten).


Die Antwort liegt meist in der Hand derjenigen, die häufig beschrieben wurden, aber selten befragt: Bei uns selbst, den gemeinen GenZlern und Taugenichtsen, die das schwere Erbe der hart arbeitenden Boomer-Generation auf sich nehmen sollen oder gar müssen?


Nun gut. Da viel zu oft ein GenX, GenBoomer und sonstige Gen’s sich anmaßen über die woke Klima Generation zu schreiben, hier nun endlich ein Kommentar einer GenZlerin selbst:


Mit dem Beginn der Mittelstufe startete gleichzeitig ein neuer, noch nicht ausgeträumter American Dream: Instagram wird zu dem Kommunikationsmedium, die Schnelllebigkeit, die wir auch davor schon erfahren haben (G8 in den Gymnasien, Berufsausbildung, Abendschule und am besten Samstag nachmittags zur berufsbegleitenden Hochschule uvm., wohlgemerkt alles gleichzeitig) verfällt ins Extrem und bringt spätestens nach dem Abitur sogar die Hartgesottenen, unter uns Schüler*innen, zum Taumeln.


In unserer Freizeit sind wir konfrontiert mit den verrücktesten und individuellsten Lebensentwürfen, die spätestens mit Beginn der Arbeitswelt auf eine recht illusionslose Landschaft aus Bürokratie, Erwachsenendasein und Zukunftsängsten prallen. Besser gesagt, der virtuelle Raum unserer Freizeit stößt meist unsanft an die ziemlich reale Schwelle des Berufseinstiegs, der für die meisten von uns geplagt ist von Performance-Ängsten und permanenter Vergleichbarkeit, bei gleichzeitig knapp bemessenem Zeitkonto. Fazit: Alles in allem recht frustrierende Aussichten.


Angekommen in den ersten Jobs (nachdem man sich jahrelang anhören musste, dass das Bologna System ja „Mist sei“ und wir alle keine entsprechende akademische Ausbildung genossen hätten, natürlich im Vergleich zu den Boomern und den Millenials) wird recht schnell deutlich: Die Chefs, Personalleiterinnen und Zuständigen wissen auch nicht so richtig, wie sie mit uns im Kontext „Arbeit“ umgehen sollen:


Chef 1, der die klare Kante fährt, kein Home-Office zulässt und wenig Vertrauen für junge Mitarbeiterinnen übrighat (die Kinder sollen schließlich Disziplin lernen, Arbeiten ist ja kein Spaß). Und Chef 2, dem alles im Endeffekt egal ist, solange die Arbeit getan ist, und dann eben Ich, in der Mitte. Zwischen Studium, Werkstudierenden Jobs und einer Arbeitswelt, die mir, mit absolut keinem Maß begegnet.


Was also tun? Als GenZlerin, denen man nachsagt, sie seien generell nicht mehr an Karriere interessiert und es gehe mehr um die Balance als um Work, ist das gar kein so einfacher Einstieg in das Berufsleben (Man will ja eben kein Balance Work Faulpelz sein).


Old und New Work vergessen also viel zu oft den Menschen im, aber auch den außerhalb des Unternehmens. Die Idee von persönlichen Werten und Eigenschaften, die jede Einzelne von uns mitbringt, darf nicht ausschließlich getrennt von Organisationen gedacht werden. Daher soll diese kurze Beschreibung hier in einem Appell enden, der an Breidenbach und Rollow (2016) angelehnt ist:


Old und „New Work needs Inner Work“: Vergessen wir den Menschen im Unternehmen verlieren wir auch dessen persönliches & kreatives Potenzial.


Ein Gastbeitrag von Leonie Neumann (Generation Z und Studentin der Philosophie & Politikwissenschaften)


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